Vortragsreihe „Die RAF – ein deutsches Trauma? Versuch einer historischen Deutung“

(Leitung: Dr. Caroline Klausing und Dr. Verena v. Wiczlinski)

Klaus Pflieger, Johannes Hürter und Gerhart Baum (Foto: Dr. Andreas Linsenmann)

 

Konzeption:
In den Arbeitsbereichen Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik wurde im WiSe 2011/12 eine Lehrveranstaltungsreihe mit dem Themenschwerpunkt RAF angeboten. Begleitet wurde sie von einer öffentlichen Vortragsreihe zur Perspektive von Politik, Justiz, Zeitzeugen, Medien und Wissenschaft in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, dem Landtag Rheinland-Pfalz, dem Forschungsschwerpunkt Historische Kulturwissenschaften und dem Verein der Freunde der Geschichtswissenschaften der Universität Mainz. Die Abende setzten fünf unterschiedliche thematische Schwerpunkte vom staatlichen und justiziellen Umgang mit dem Phänomen RAF, dem Mythos RAF, ihren Tätern und Opfern, ihrem Verhältnis zu den Medien und dem Ende der Gruppe. Als Gesprächspartner waren hierbei neben arrivierten Wissenschaftlern wichtige Zeitzeugen geladen. Dazu gehörten der Bundesminister des Innern a. D. Gerhart Baum, der damalige württembergische Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger, der Verteidiger der RAF-Mitglieder und Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele, Corinna Ponto, die Tochter des ermordeten Vorstandssprechers der Dresdner Bank Jürgen Ponto, Julia Albrecht, die Schwester des am Mordanschlag auf Jürgen Ponto beteiligten RAF-Mitglieds Susanne Albrecht, Prof. Dr. Michael Buback, der Sohn des von der RAF ermordeten Generalstaatsanwalts Siegried Buback, der Regisseur Andres Veiel sowie Ulf G. Stuberger, Journalist und der einzige dauerhafte Beobachter des Baader-Meinhof-Prozesses.

Hans-Christian Ströbele und Ursula Nusser (Foto: Jan Hildner)

 

Studentische Mitwirkung:
Integraler Bestandteil der Projektkonzeption war es, Studierende in alle Phasen des wissenschaftlichen Prozesses von der Planung der einzelnen Abende bis hin zur Fertigstellung einer im Nachgang erscheinenden Publikation einzubinden. Im Sinne einer aktivierenden Lehre gestalteten diese Studierenden dabei durch thematisch strukturierte Fragenkataloge, Diskussionsbeiträge und organisatorische Beteiligung alle fünf Abende gezielt mit.

 

Flyer zur Reihe

 

Hanno Balz, Nicolas Werner Jacobs, Hendrik Werner Struck und Andres Veiel (Foto: Dr. Andreas Linsenmann)

 

Beteiligte Studierende: Lea-Theresa Berg, Christina Bleser, Dirk Christmann, Christopher Flauaus, Matthias Geis, Tiemen Glatt, Nicolas Werner Jacobs, Kim Krämer, Anne-Sophie Kuhl, Sabrina Manicke, Constantin Mussel, Amelie Pluschke, Pia-Maria Schäfer, Meike Schlarb, Hendrik Werner Struck.

 

Pressestimmen:

Präsentation auf dem Dies legendi der Johannes Gutenberg-Universität Mainz am 16.10.2015:
Das Projekt wurde im Rahmen des Dies legendi der Johannes Gutenberg-Universität Mainz gemeinsam mit einigen studentische Mitarbeitern präsentiert.

Publikation:
Der Band zur Vortragsreihe, an dem Studierende unter anderem durch Transkriptions-, Recherche- und Redaktionsarbeiten mitwirkten, erschien als Print- und als Onlinepublikation 2018.

Band zur Vortragsreihe

 

Buchpräsentation und Podiumsdiskussion:
Die RAF – ein deutsches Trauma? Versuch einer historischen Deutung am 23.10.2018, 18.30 Uhr im Fakultätssaal (Philosophicum I) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz:

2017 jährte sich das Gedenken an den Deutschen Herbst zum 40. Mal, 2018 erinnerten wir uns an 50 Jahre 68er-Bewegung. Die Podiumsdiskussion anlässlich der Buchpräsentation zur Geschichte der RAF des Historischen Seminars der Universität Mainz und der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz griff daher die kontrovers geführte Debatte auf, wie sich die 68er zur Gewaltfrage positionierten, ob und wie sie die Entwicklung der RAF-Protagonisten prägten und inwiefern die RAF ein Zerfallsprodukt der 68er- bzw. der Studentenbewegung war. Darüber sprachen auf dem Podium ausgewiesene Experten und Zeitzeugen miteinander: Der Politikwissenschaftler Dr. Wolfgang Kraushaar gilt als einer der renommiertesten Forscher zu den Themenkomplexen 68er-Bewegung und RAF. Der ehemalige württembergische Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger war Ermittler der RAF-Todesfälle in Stammheim und wirkte an der Verfassung der Anklageschriften gegen führende RAF-Terroristen mit. Der Historiker Prof. Dr. Johannes Hürter leitete am Institut für Zeitgeschichte in München ein großes Forschungsprojekt zur terroristischen Herausforderung Westeuropas in den 1970er und 1980er Jahren. Die Konzeption des Abends, die Einführung und die Buchpräsentation übernahmen Dr. Caroline Klausing und Dr. Verena v. Wiczlinski.

Vorne v. l. n. r. Wolfgang Kraushaar, Johannes Hürter und Klaus Pflieger (Foto: Maylin Amann)

 

Einladung zur Buchpräsentation

 

Q+-Projektseminar „Die Dritte Generation der RAF. Ein Rechercheprojekt für die Entwicklung eines Theaterstücks am Hessischen Staatstheater Wiesbaden“
Wissenschaftliches Auftaktseminar am 12. Oktober 2018 unter der Leitung von Dr. Caroline Klausing und Dr. Verena v. Wiczlinski:

https://www.studienprogrammqplus.uni-mainz.de/lehrende/

Das Q+-Programm der Johannes Gutenberg-Universität Mainz will Studierende über ihr Studium hinaus interdisziplinär weiterbilden. Sie treffen Studierende aus anderen Fächern und setzen sich mit aktuellen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen auseinander. In diesem Rahmen fand im Wintersemester 2018/19 das von der Leiterin dieses Formats Dr. Doris Lindner entwickelte Projektseminar „Die Dritte Generation der RAF. Ein Rechercheprojekt für die Entwicklung eines Theaterstücks am Hessischen Staatstheater Wiesbaden“ statt. Als Auftakt hielten Dr. Caroline Klausing und Dr. Verena v. Wiczlinski im Oktober 2018 ein einführendes Seminar, in dem die Studierenden sich mit den Definitionen von ,Widerstand‘, ,Terror‘ und ,Terrorismus‘, der gesellschaftspolitischen Situation der Bundesrepublik und der Geschichte der RAF auseinandersetzten und über Gewalt als Mittel der Politik reflektierten. In einem zweiten Teil wurde der Dokumentarfilm Sympathisanten – Unser deutscher Herbst des Historikers und Regisseurs Dr. Felix Moeller zunächst gezeigt und gemeinsam mit ihm diskutiert.

http://sympathisanten-derfilm.de/

In den folgenden Monaten entwickelten der Theaterregisseur Clemens Bechtel und die Drehbuchautorin Maxi Obexer mit der Dramaturgin Susanne Birkefeld des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden und Studierenden des Q+-Programms ein Theaterstück, in dessen Fokus die Dritte Generation der RAF, deren Mitglieder Birgit Hogefeld und Wolfgang Grams sowie die Bezugspunkte zu Wiesbaden standen. Die Uraufführung fand am 28. April 2019 am Hessischen Staatstheater Wiesbaden statt. Der Recherche- und Probenprozess wurde von Dr. Caroline Klausing und Dr. Verena v. Wiczlinski wissenschaftlich begleitet.

 

Trailer "Verlorene Kämpfer - Vom Ende der Roten Armee Fraktion"